Nicht meckern, handeln! – Meine 6 Gründe, WhatsApp zu ersetzen & Bier für Wechsler

einen Teil meines heutigen Samstags möchte ich dazu nutzen, ein kurzes Statement zum Thema mobile Messenger loszuwerden, da mir diesbezüglich mittlerweile so Einiges unter den Nägeln brennt.

Meine zentrale Frage bei diesem Thema ist, warum wir zwar viel und zum Teil harsche Kritik an großen IT-Unternehmen wie WhatsApp, Facebook oder Google äußern und dieser Kritik dann keine Taten folgen lassen. Ist es eine bewusste Entscheidung für Funktionalität oder eher Bequemlichkeit und Resignation vor der angeblich wechselunwilligen Masse der anderen?

Das Beispiel WhatsApp macht es zur Zeit wieder einmal mehr als deutlich, wie dieser Mechanismus funktioniert und wie wir alle dazu beitragen, dass er funktioniert. Am Anfang steht stets ein attraktives, weil schlichtes und funktionales Portal, das sich stetig weiterentwickelt und so eine Vielzahl von Nutzern anlockt. WhatsApp hat seit seiner Gründung im Jahr 2009 mit seiner Funktionalität und Gestaltung definitiv einen Nerv der Nutzer getroffen, hob sich nicht zuletzt aufgrund des Konzepts der Werbefreiheit angenehm von ebenfalls funktionalen Konkurrenten ab und leitete eine völlig neue Dimension der einfachen Kommunikationsmöglichkeiten ein. Ohne größere Kosten konnten wir Freunde schnell erreichen und nicht nur Text, sondern auch Fotos und andere Inhalte unterwegs verschicken und durch die Gruppenfunktion schnell die Freundestruppe, die Familie, den Verein oder gar die ganze Schulklasse erreichen.

Erst in einer späteren Phase nehmen sich meist einige kritische Geister die Zeit, solche Dienste genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Entwickler von WhatsApp ließen wenig unversucht, um den Nutzeransturm im Zaum zu halten und potenzielle Nutzer zu vergraulen: Bereits im Mai 2011 wurde eine Sicherheitslücke entdeckt, die das Übernehmen der Benutzerkonten durch Unbefugte ermöglichte. Konversationen wurden noch bis August 2012 unverschlüsselt in Klartext versendet und konnten durch Unbefugte mitgelesen werden. Neben diversen weiteren eklatanten Sicherheitsmängeln der App stand das Unternehmen auch wegen der ungefragten, unverschlüsselten automatischen Übertragung sämtlicher im Telefon gespeicherten Telefonnummern an den Whatsapp-Server in der Kritik. Man hätte meinen können, dass spätestens mit der Übernahme des Dienstes durch Facebook für 19 Mrd. USD Anfang 2014 und dem einsetzenden Entrüstungssturm der Medien WhatsApp endgültig seine Nutzer vergrault und anderen Messengern in die Hände gespielt hätte. Facebook – ein Unternehmen das bereits ein Monopol entwickelt hat, wohl neben der NSA und Google eine der größten Datensammelmaschinerien der Welt ist und das Datenschutz und unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung trotz internationaler Kritik beharrlich mit Füßen tritt (eine gute Übersicht der unzähligen Kritikpunkte an Facebook findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Facebook). Tatsächlich passiert jedoch meinem Eindruck nach wie so häufig das Gleiche – breite öffentliche Kritik, Vorstellung und Entwicklung weiterer Messenger-Alternativen, die im Ergebnis keinen konkurrenzfähigen Zulauf bekommen und allgemeine Resignation und Akzeptanz der Quasi-Monopolstellung. Allein in Deutschland gibt es wohl Stand Januar 2014 mehr als 30 Millionen aktive Nutzer.

Ist es das wirklich wert? Wollen wir dabei zuschauen, wie sich bei vernetzenden Diensten nicht das beste Unternehmen durchsetzt, sondern dasjenige, das am cleversten den größten Nutzerpool gesammelt und sich dann knallhart gegen unsere Interessen durchsetzt? Warum soll hier nicht dem besten Dienst der Vorzug vor dem größten gegeben werden? Dass nicht jeder gewillt ist, sich ein anderes soziales Netzwerk als Facebook zu suchen, kann ich noch gut verstehen. Schließlich ist der Umstieg dort ungleich schwieriger und die Alternativen stehen in Funktionalität häufig noch deutlich zurück. Die Installation einer anderen Messenger-App ist dagegen schnell erledigt, zumal seit kurzem im google Play Store die Bezahlung per Paypal möglich ist und so auch kostenpflichtige Apps ohne Kreditkarte bezahlt werden können. Der Monopol-Mechanismus hat bei vielen anderen Diensten bereits tadellos funktioniert, z.B. Google oder mit Einschränkungen auch mitfahrgelegenheit.de.

Ich schaue mir das nicht mehr länger mit an und wechsle zu Threema, dem Messenger, der meiner Ansicht nach derzeit das größte Potenzial hat.

 

Meine 6 Gründe für den Wechsel:

  1. WhatsApp gehört zu Facebook, DEM Datensammler und Datenschutzverhinderer weltweit.
  2. WhatsApp hat deshalb ein unbändiges kommerzielles Interesse an der Nutzung sämtlicher durch den Dienst erlangbarer Informationen, vor allem für die weitere Nutzung mit Facebook.
  3. WhatsApp ist unsicherer als andere Messenger, da keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angeboten wird.
  4. Es gibt gute, günstige Alternativen.
  5. Mein Profilfoto und meine Statusmeldungen möchte ich nicht zur Werbezwecken auf irgendwelchen Leinwänden verbreitet wissen (entsprechende Rechte lässt sich WhatsApp allerdings einräumen).
  6. Ich möchte nicht zulassen, dass sich derartige Dienst-Monopole festigen, die sich für uns Nutzer so offensichlich negativ auswirken wie bei WhatsApp und Facebook.

Wer von den Kontakten in meinem Telefon ab heute zu Threema oder TextSecure wechselt, dem spendiere ich ein Bier, aber nur so lange der Vorrat reicht.

 

That’s all folks.

Mozilla Persona als Login-System im Internet

Seid ihr es auch leid, für jedes Online-Portal, jeden Internet-Shop, jedes Forum, jeden Blog und jeden sonstigen Dienst einen neuen Account erstellen zu müssen? Muss das in der heutigen Zeit unzähliger technischer Möglichkeiten und findiger Programmierer noch sein?

Da ich mich momentan wieder einmal recht viel zum Thema nützlicher open-source-Software belese und diese teste, war ich heute auf der Suche nach einer Möglichkeit, sich mit einem Account bei verschiedenen Internet-Diensten gleichzeitig zu authentifizieren.

Login-Services der “Großen”

Als erstes kam mir der schon häufiger gesehene Facebook-Login (“mit Facebook anmelden”, sog. Facebook Connect) in den Sinn. Ähnliche Möglichkeiten bieten seit einiger Zeit google, twitter und andere sowie mittlerweile auch amazon. Da ein Klick auf diese Buttons jedoch stets zu Servern von Unternehmen führt, die versucht sein könnten, die mitgeteilten Shop-Besuche in welcher Weise auch immer für sich auszuwerten, kann ich mich mit dieser Variante kaum anfreunden. Gerade google und besonders facebook sind bekanntlich stets begierig auf möglichst umfangreiche Datensammlungen. Das möchte ich auf keinen Fall unterstützen, da ich quasi-Datenmonopole für sehr gefährlich halte.

OpenID

Zweitens stieß ich auf OpenID – wikipedia:

OpenID (englisch für offene Identifikation) ist ein dezentralesAuthentifizierungssystem für webbasierte Dienste. Es erlaubt einem Benutzer, der sich bei seinem sogenannten OpenID-Provider einmal mit Benutzername und Kennwort angemeldet hat, sich nur mit Hilfe der sogenannten OpenID (einer URL, in diesem Kontext auch Identifier genannt) ohne Benutzername und Passwort bei allen das System unterstützenden Websites, den sog. Relying Parties, anzumelden. OpenID ist dezentral angelegt und setzt das Konzept der URL-basierten Identität um.

Auf der Suche nach OpenID-Providern stellte ich fest, dass abseits der genannten großen Portale, die bis auf Facebook meistens auch auf OpenID zum externen Login setzen (z.B. twitter, flickr, tumblr, yahoo, linkedin) mittlerweile so einige Dienste eingestellt sind bzw. werden (myON-ID, chi.mp, claimid, myopenid) und merkte auch, dass es um die Verbreitung von OpenID-Login-Möglichkeiten nicht allzu rosig steht. Selbst große internetaffine Portale wie sourceforge.net oder heise.de unterstützen eine Anmeldung via OpenID augenscheinlich nicht mehr. Die Aussicht auf einen kleinen OpenID-Provider zu setzen, der womöglich nach einigen Jahren eingestellt wird, erscheint mir wenig erquicklich.

Mozilla Persona

Drittens stieß ich auf die Mozilla-Entwicklung Persona.
mozilla.org:

“Mozilla Persona ist ein browserunabhängiges Login-System für das Web, das einfach zu verwenden und einfach einzusetzen ist. Es funktioniert mit allen wichtigen Browsern und du kannst noch heute beginnen.

[...]

Persona ist einfach zu implementieren. Entwickler können Persona zu einer Website in einem einzigen Nachmittag hinzufügen.

Das Beste von allem, es gibt keinen Log-in. Entwickler erhalten eine verifizierte E-Mail-Adresse für alle ihre Benutzer und Benutzer können eine beliebige E-Mail-Adresse mit Persona verwenden.

Und Persona wird stetig besser: Es basiert auf einem offenen, dezentralisierten Protokoll, das dafür ausgelegt ist, eine direkte Integration in Browser und native Unterstützung von E-Mail-Providern zu erlauben. Webseiten die Persona heute implementieren werden diese Verbesserungen automatisch in Erfahrung bringen, ohne irgendeinen Code ändern zu müssen.”

Im Gegensatz zu OpenID beruht Persona also auf der Authentifizierung mit einer Mailadresse anstatt einer ID-URL. Auch sei der Identitätsanbieter nicht in die Login-Transaktion involviert, so dass ein höherer Schutz der Privatsphäre des Nutzers gewährleistet wird.

Mit wenigen Klicks habe ich einen Persona-Account bei Mozilla erstellt und eine meiner Mailadressen dort registriert. Weitere wären ohne Probleme möglich.

Ich wählte ein sicheres Passwort und bestätigte wie üblich meine Mailadresse über einen Aktivierungslink. Ab jetzt kann ich mich mit dem gewählten Passwort überall anmelden, wenn die Webseite Persona-Login anbietet. Der Einbau in Webseiten soll recht einfach sein.

Für WordPress-Blogs ist es mit dem Persona-Plugin BrowserID in 5 Minuten erledigt und bequem anpassbar. Als netter Nebeneffekt kann so Spam bekämpft werden, da Spambots in der Regel keinen Persona-Account

haben dürften (vgl. Beitrag von Sören Hentzschel).

Fazit:

Wer einen Authentifizierungsdienst für Internetseiten sucht und den großen Unternehmen kein Vertrauen schenken möchte, der findet in Mozilla Persona eine charmante Alternative. Als gemeinnützige Organisation hat sie kein Interesse an wirtschaftlicher Verwertung etwaiger Daten und gleichzeitig so viel Gewicht, dass sich der Service im Netz durchsetzen könnte. Wir dürfen gespannt sein, wie Administratoren und Nutzer reagieren.

Gedanken zum Polizeieinsatz bei Blockupy Frankfurt 2013

Die Berichterstattung zur kürzlich durchgeführten Demonstration des kapitalismuskritischen Bündnisses Blockupy in Frankfurt / Main in der Nähe der EZB-Zentrale erhitzt wiederum die Gemüter von Beteiligten, Politik und sonstigen Bürgern. Demonstriert wurde vor allem gegen das Krisenmanagement von EZB und Troika. Die Stadt Frankfurt am Main wurde kurz zuvor durch das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main und den Verwaltungsgerichtshof Kassel abgewatscht, indem die Verbote der geplanten Streckenführung im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes aufgehoben worden waren. Da die Stadt keine nachweisbaren Tatsachen zu zu erwartenden Gefährdungen vorgetragen hatte, seien die Verbote ersichtlich rechtswidrig (vgl. juris-Nachrichten zu Beschlüssen des VG Frankfurt, und des VGH Kassel). Die Veranstaltung am 1.6.2013 konnte also doch den Weg ab der Neuen Mainzer Straße Richtung Norden über die Weißfrauen-, Berliner- und Battonnstraße in die Kurt-Schumacher-Straße nehmen.

Leider ist der Verlauf und insbesondere die Eskalation solcher Demonstrationen stets schwer nachzuvollziehen. Eine halbwegs zusammenhängende Darstellung der Ereignisse konnte ich der Presse bisher nicht entnehmen. Aus dem Zusammenhang gerissene Videos auf youtube sind häufig zusammengeschnitten oder lassen kaum erkennen, was tatsächlich der Auslöser für die Anwendung von körperlicher Gewalt und für das Zurückdrängen von Personengruppen seitens der Polizei ist. Für die Entrüstungsstürme, die sich dann zumeist auf den Nachrichtenseiten und den Kommentarseiten der Videos finden, habe ich deshalb nur im Ansatz Verständnis.

Klar ist wohl in etwa folgendes Geschehen:

Aus einer Gruppe von Teilnehmern der Demonstration flogen Gegenstände auf die Polizisten und auf Gebäude. Einige Teilnehmer verstießen gegen das Vermummungsverbot. Ein Polzist wurde mit einem Schraubenzieher angegriffen. Weiter geht aus den Presseberichten hervor, dass etwa 900 Teilnehmer an einer geeigneten Stelle von der Polizei unter Einsatz von Pfefferspray in einen Kessel getrieben und dort bis zu 9 Stunden festgehalten wurden. Dies sei wohl der erste von vier möglichen und geplanten Eingriffspunkten der Polizei gewesen. Einem youtube-Video ist weiter zu entnehmen, dass die Polizei die eingekesselten Teilnehmer (die “Störergruppe”) per Lautsprecherwagen ausdrücklich gem. § 19 IV VersG aus dem Demonstrationszug ausschloss. Dazu verwies sie auf die aus dieser Gruppe heraus begangenen Straftaten und erklärt den Ausschluss für erforderlich, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Demonstration zu gewährleisten (vgl. Youtube-Video). Zu welchem Zeitpunkt dieser Ausschluss erfolgte, bleibt unklar. Die Personen im Kessel hätten diesen erst nach bis zu 9 Stunden und nach einer Personalienfeststellung verlassen können. Toiletten seien zunächst nicht bereitgestellt worden, später seien diese wohl von Teilnehmern zerstört worden.

Mir drängen sich hier mehrere Fragen auf:

1. Angenommen der Ausschluss erging gegenüber den 900 eingekesselten Personen: Wie konnte die Polizei sicher sein, dass alle diese Personen die Ordnung der Versammlung störten? Angesichts der sonstigen Berichte halte ich es für ausgeschlossen, dass Gefahren von allen diesen Personen ausging.
Insoweit kann sich die Polizei auch nicht darauf zurückziehen, man könne die Verursacher nicht genau ausmachen und deshalb nur die gesamte Gruppe von der Versammlung ausschließen. Ein Ausschluss von Teilnehmern einer Versammlung kann mit Blick auf ein Urteil des VG Düsseldorf vom 21. April 2010 in einem fast identisch gelagerten Fall nur dann rechtmäßig ergehen, wenn dem einzelnen Teilnehmer ein die Ordnung der Versammlung störendes oder gegen das Vermummungs- oder Schutzwaffenverbot verstoßende Verhalten vorzuwerfen ist. Das Verhalten anderer Teilnehmer ist dem Einzelnen nicht zuzurechnen.

Zu den Voraussetzungen führt das VG Düsseldorf aus:

Der Begriff der Ordnung i.S. der §§ 18 Abs. 3, 19 Abs. 4 VersG stellt auf die innere und äußere Ordnung der Versammlung ab. Versammlungen sollen geordnet ablaufen, damit sich alle Teilnehmer entfalten und das Grundrecht der Versammlungsfreiheit verwirklichen können. Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Versammlungsrechtes ist eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Ordnung erforderlich. Nur erhebliche Beeinträchtigungen der Schutzgüter erlauben einen so schwer wiegenden Eingriff in die Versammlungsfreiheit wie den Ausschluss. Entgegen der Ansicht der Kläger sind dabei sowohl Aktionen innerhalb der Versammlung als auch das Verhalten der Teilnehmer nach außen, z.B. gegen Nichtteilnehmer oder Sachen gerichtete Handlungen, in den Blick zu nehmen. Nach außen hin können z.B. Meinungskundgaben in beleidigender Form oder mit verfassungsfeindlichem Inhalt, Sachbeschädigungen oder gar Landfriedensbruch unmittelbare Gefährdungen der öffentlichen Ordnung sein. Adressat des Ausschlusses ist stets der konkrete Teilnehmer, der durch sein Verhalten die Ordnung gröblich stört.

Vgl. zu alledem Kay/Böcking, Versammlungsrecht, 1994, Rz. 266 ff.

Zwar kam es hier im Verlauf des Aufzuges zu nicht unerheblichen gewalttätigen Ausschreitungen, die wohl einen Ausschluss der jeweiligen Täter rechtfertigten. Es lässt sich aber nicht feststellen, dass die gröbliche Störung der Ordnung gerade (auch) von dem Verhalten der Kläger ausging. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass diese sich an den Übergriffen gegen Polizeibeamte etc. beteiligten, bestehen nicht; auch liegen keine Erkenntnisse vor, dass sie gegen die Verbote des § 17a Abs. 1 oder 2 VersG verstießen. Die Ausschreitungen anderer Versammlungsteilnehmer müssen sie sich nicht zurechnen lassen. Es liegt auf der Hand, dass hierfür die bloße Teilnahme an der Versammlung nicht ausreicht. Sonstige Gründe für eine Zurechnung, etwa wegen einer nach außen wahrnehmbaren Solidarisierung mit den Gewalttätern oder sonstiger Unterstützungsleistungen, sind nicht erkennbar und werden auch von dem Beklagten nicht geltend gemacht.

In dem zugrunde liegenden Fall hatte das VG Düsseldorf die mehrstündige Einkesselung von über 100 Personen durch die Polizei hinsichtlich des Klägers für rechtswidrig erklärt. Hinsichtlich der friedlichen Teilnehmer der Blockupy-Demo, die die Ordnung der Versammlung nicht störten, dürfte nichts anderes gelten. Hier erscheint ein gerichtliches Vorgehen gegen das Handeln der Polizei nicht nur aussichtsreich, sondern dringend angezeigt, um solch unverhältnismäßigen Maßnahmen vorzubeugen. In Betracht zu ziehen wären hier auch Schadensersatzansprüche aufgrund von Amtspflichtverletzungen, insbesondere in Form von Schmerzensgeld.

2. Wie kann es sein, dass ein Erhalten von menschenwürdigen Bedingungen nach den derzeit vorliegenden Informationen augenscheinlich nicht möglich war?
Unglaublich, dass die Personen bis zu 9 Stunden festgehalten wurden und dass über lange Zeiträume nicht die Möglichkeit einer Toilettenbenutzung bestand. Bereits unter diesem Gesichtspunkt stellt sich die lang andauernde Einkesselung als rechtswidrig dar.

Nach der Rechtsprechung müssen menschenwürdige Bedingungen bei längerer Einkesselung gewährleistet werden, z.B. Toiletten, Getränke, Witterungsschutz Sitzgelegenheiten oder Isomatten…) ; ist die Polizei dazu nicht in der Lage, müssen die Leute freigelassen werden (AG Dannenberg, B. v. 22 .07.2004 – 39 XIV 512/02 L; so auch LG Hamburg, NVwZ 1987, 833; eingeschränkt OLG Celle, B. v. 25.10.2004 – 16 W 145/04).

3. Warum wurde die Einkesselung so lange aufrecht erhalten? Wurde eine richterliche Entscheidung herbeigeführt?

Das längere Festhalten nach dem Ausschluss der Personengruppe von der Versammlung dürfte als Ingewahrsamnahme nach § 32 HSOG zu qualifizieren sein. Doch welche Gefahren gingen nach einiger Zeit tatsächlich oder vermutlich noch von diesen Personen aus und von wie vielen der eingekesselten Personen? War dieses Vorgehen wirklich unerlässlich, d.h. nur in dieser gewählten Weise dazu geeignet, um ggf. erteilte Platzverweise bzw. den Ausschluss aus der Versammlung durchzusetzen? Mit Sicherheit nicht gegenüber sämtlichen Personen. Die Polizei wird wohl kaum vermutet haben, dass von allen eingekesselten Personen noch Straftaten zu erwarten waren. Darüber hinaus frage ich mich, ob entsprechend dem Erfordernis in § 33 HSOG unverzüglich eine richterliche Entscheidung herbeigeführt worden ist, die innerhalb der langen Zeitstpanne wohl noch durch den richterlichen Notdienst ergangen wäre?

Mein Fazit:

Angesichts der meines Erachtens völlig unverhältnismäßigen Vorgehensweise der Polizei teile ich die Auffassung des  Fraktionschefs der Grünen im Hessischen Landtag, Tarek Al-Wazir, dass es sich um glasklare Gesetzesverstöße handelt. Diese sollten nicht nur im Einzelfall ein juristisches Nachspiel haben, sondern auch dazu führen, dass die Entscheidungsträger hier zur Verantwortung gezogen werden. Die Problematik von einzelnen Störern aus Demonstrationen ist der Polizei hinlänglich bekannt. Dementsprechend kann sie sich genau vorbereiten und sich zulässige Handlungsoptionen zurecht legen. Durch die Videoüberwachung ist es ihr auch nicht verwehrt, die jeweiligen Verursacher auszumachen und diesen gegenüber mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren. Das Einschreiten der Polizei darf nicht dazu führen, dass einer Vielzahl von Teilnehmern unmöglich gemacht wird, von ihrem verfassungsrechtlich garantierten Grundrecht der Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG) Gebrauch zu machen. Dementsprechend hat sich die Polizei mit Eingriffen in das Grundrecht der Versammlungsfreiheit äußerst zurückhaltend zu verhalten.

Hier habe ich den Eindruck, dass die Demonstration klar aus politischen Gründen unerwünscht war und durch die lange Einkesselung eine Eskalation der Situation beabsichtigt war, um das linksgerichtete Bündnis und deren berechtigte Kritik zu diskreditieren und in eine gewalttätige, extreme Ecke zu bugsieren.

Bereits bei dem fast vollständigen Verbot der Demonstrationen im letzten Jahr (von mehreren geplanten Demonstrationstagen wurde nur einer gestattet), bezüglich dessen sogar eine (unveröffentlichte) Beschwerde beim Bundesverfassungsericht scheiterte, hatte ich erhebliche Bauchschmerzen, wie stark dort die Versammlungsfreiheit eingeschränkt wurde. Denn grundsätzlich kann der Veranstalter den Ort der Demonstration frei wählen. Warum dort nicht wenigstens an jedem Tag eine Demonstration mit bestimmten Auflagen zur Erhaltung des Stadtverkehrs genehmigt wurde, ist mir völlig unklar.

Weitere Informationen zu ähnlich gelagerten Fällen:

Ausführlicher Vergleich von Mitfahrportalen

Der jüngsten Fauxpas von mitfahrgelegenheit.de, unverschämte 11% Vermittlungsgebühr pro Mitfahrer zu verlangen, hat sich mittlerweile ja rumgesprochen. Blogs und diverse größere und kleinere Zeitungen berichteten und spekulierten über die Ursachen und Folgen, vgl. etwa Michael Müllers Beitrag in  seinem Blog auf basicthinking.de. Die Entwicklung habe ich wie viele andere bereits zum Anlass genommen, meinen Account auf mitfahrgelegenheit.de zu löschen. Oft werden bei der Berichterstattung einige Alternativportale genannt, ohne dass der Leser ausführlichere Informationen zu diesen Portalen erhält. Welche Funktionen und Vorteile hat welches Portal? Wie viele Mitglieder treiben sich dort herum? Ist dessen bisherige Entwicklung vielversprechend?

Ich möchte ergründen, welches Portal am ehesten das Zeug hat, die Nachfolge von mitfahrgelegenheit.de anzutreten.  Hierzu habe ich in vielen Stunden Arbeit eine Tabelle zum Vergleich einiger Mitfahrportale erstellt. Welche Kriterien und Funktionen ich abgefragt habe, könnt ihr in der Tabelle sehen. Bei der Gewichtung floss natürlich meine persönliche Meinung ein. Funktionalität habe ich am stärksten gewichtet, aber auch mir wichtige Punkte wie Datenschutz und Transparenz der Entwicklung einfließen lassen. Falls einige Informationen veraltet oder falsch sind oder ihr weitere Informationen, etwa zu den Nutzerzahlen beizutragen habt, freue ich mich über eure Mitteilung per Kommentar. Ich werde sie dann (bis zu einem gewissen Detailgrad) ergänzen.

Wenn bei “Finanzierung” ein Fragezeichen steht, ich also weder Werbung noch Spendenmöglichkeiten entdecken konnte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass früher oder später eine Gebührenpflicht eingeführt wird. Für blablacar habe ich soeben gelesen, dass für deren französische Seite bereits Gebühren erhoben werden. Dort dürfte es nur eine Frage der Zeit sein bis sie das auch auf das deutsche Portal ausdehnen.

Hoffentlich kann ich damit dem einen oder anderen ein wenig Hilfestellung bei der Auswahl der für ihn/sie persönlich besten Alternative leisten.

Die Tabelle könnt ihr gerne unter Angabe der Quelle verbreiten.

Mitfahrportale-2013-05

Hier das Ganze noch als pdf-Datei: Mitfahrportale 2013-05 (70 KB)

Letzte Aktualisierung der Übersicht: 2.5.2013

OccupyBerlin am 15.10.2011

Wir waren dabei, als heute bis zu 10.000 Menschen auf die Berliner Straßen gegangen sind, um gegen die Macht der Finanzwelt, gegen die Dominanz der obersten 1% zu demonstrieren. Demonstriert wurde heute weltweit: occupytogether.org, 15october.net/de/, facebook.com/Occupy.Germany, attac.de. Zur Berliner Demo gibt es weitere Infos unter alex11.org und OccupyBerlin. Weiterlesen

Zu viel Wasser in Lindenberg (Bernauer Straße) [Update]

Auf meinem Nachhauseweg habe ich ein paar Fotos in der Bernauer Straße gemacht, Fußgänger durften freundlicherweise passieren, so dass ich ohne großen Umweg die Bushaltestelle in der Karl-Marx-Straße erreichen konnte, von welcher der 893er Bus als derzeit einzige Linie fährt. Die BVG-Linie 259 fährt derzeit ohne Halt über die Bundesstraße an Lindenberg vorbei.

Ursache der Sperrung waren die durch starken Regen am Wochenende (30./31.7.) verursachten Überschwemmungen.

(Zum Blättern einfach auf das Foto klicken)

Weitere Infos finden sich bei der Märkischen Oderzeitung:

MOZ I: “Land unter” in Lindenberg
MOZ II: Die Pumpen laufen weiter

[Update 03.08. 8:30]
Die Bernauer Straße ist für den Straßenverkehr wieder freigegeben.
[/Update]

 

 

 

 

 

 

 

Energiepolitik nach Zigeuner Art

Nach der mir bereits äußerst sauer aufstoßenden Salami-Taktik des Volkes Liebling zu Guttenberg bleibt die CDU/CSU/FDP-Regierung ihren Prinzipien konsequenterweise jetzt auch bei der Energiepolitik nicht mehr treu – oder doch?

Die Atomkatastophe in Japan, bei der jeden Tag der GAU eintreten könnte, haben nun auch direkte Auswirkungen für die Politik in Deutschland. Mitte März erklärte Frau Merkel vor der versammelten Presse, dass die tragischen Ereignisse in Japan eine Neubewertung der Frage Atomenergie notwendig machten. Die Regierung verhängte daher ein dreimonatiges Moratorium über die 7 ältesten deutschen Atommeiler. Während dieser Zeit (bis zum 15. Juni) solle eine Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Atomkraftwerke stattfinden.

Doch liebe Frau Bundeskanzlerin, was hat sich eigentlich durch die dortige Situation für Deutschland geändert? Weiterlesen

Buslinie 259: Weit hinaus – und spät zurück! (Update)

Die Vorgeschichte:
Ich muss jeden Tag von der Koppenstraße nach Lindenberg ins Gewerbegebiet und abends wieder zurück nach Hause.

“Buslinie 259: Weit hinaus”, so tönt die Broschüre “Schnell und einfach unterwegs in Buch / Französisch Buchholz, Bus 251, 259, 351 und 353″ der BVG.

Und weiter heißt es “Optimierte Verbindungen zwischen Weißensee über Buch nach Französisch Buchholz. Um schnellere Verbindungen und kürzere Fahrzeiten zwischen Weißensee und Französisch Buchholz zu ermöglichen, wird die Linie 259 verlängert. Die Linie war bisher zwischen Weißensee und dem S-Bahnhof Buch unterwegs.” Weiterlesen