Archiv der Kategorie: Politik & Gesellschaft

Nicht meckern, handeln! – Meine 6 Gründe, WhatsApp zu ersetzen & Bier für Wechsler

einen Teil meines heutigen Samstags möchte ich dazu nutzen, ein kurzes Statement zum Thema mobile Messenger loszuwerden, da mir diesbezüglich mittlerweile so Einiges unter den Nägeln brennt.

Meine zentrale Frage bei diesem Thema ist, warum wir zwar viel und zum Teil harsche Kritik an großen IT-Unternehmen wie WhatsApp, Facebook oder Google äußern und dieser Kritik dann keine Taten folgen lassen. Ist es eine bewusste Entscheidung für Funktionalität oder eher Bequemlichkeit und Resignation vor der angeblich wechselunwilligen Masse der anderen?

Das Beispiel WhatsApp macht es zur Zeit wieder einmal mehr als deutlich, wie dieser Mechanismus funktioniert und wie wir alle dazu beitragen, dass er funktioniert. Am Anfang steht stets ein attraktives, weil schlichtes und funktionales Portal, das sich stetig weiterentwickelt und so eine Vielzahl von Nutzern anlockt. WhatsApp hat seit seiner Gründung im Jahr 2009 mit seiner Funktionalität und Gestaltung definitiv einen Nerv der Nutzer getroffen, hob sich nicht zuletzt aufgrund des Konzepts der Werbefreiheit angenehm von ebenfalls funktionalen Konkurrenten ab und leitete eine völlig neue Dimension der einfachen Kommunikationsmöglichkeiten ein. Ohne größere Kosten konnten wir Freunde schnell erreichen und nicht nur Text, sondern auch Fotos und andere Inhalte unterwegs verschicken und durch die Gruppenfunktion schnell die Freundestruppe, die Familie, den Verein oder gar die ganze Schulklasse erreichen.

Erst in einer späteren Phase nehmen sich meist einige kritische Geister die Zeit, solche Dienste genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Entwickler von WhatsApp ließen wenig unversucht, um den Nutzeransturm im Zaum zu halten und potenzielle Nutzer zu vergraulen: Bereits im Mai 2011 wurde eine Sicherheitslücke entdeckt, die das Übernehmen der Benutzerkonten durch Unbefugte ermöglichte. Konversationen wurden noch bis August 2012 unverschlüsselt in Klartext versendet und konnten durch Unbefugte mitgelesen werden. Neben diversen weiteren eklatanten Sicherheitsmängeln der App stand das Unternehmen auch wegen der ungefragten, unverschlüsselten automatischen Übertragung sämtlicher im Telefon gespeicherten Telefonnummern an den Whatsapp-Server in der Kritik. Man hätte meinen können, dass spätestens mit der Übernahme des Dienstes durch Facebook für 19 Mrd. USD Anfang 2014 und dem einsetzenden Entrüstungssturm der Medien WhatsApp endgültig seine Nutzer vergrault und anderen Messengern in die Hände gespielt hätte. Facebook – ein Unternehmen das bereits ein Monopol entwickelt hat, wohl neben der NSA und Google eine der größten Datensammelmaschinerien der Welt ist und das Datenschutz und unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung trotz internationaler Kritik beharrlich mit Füßen tritt (eine gute Übersicht der unzähligen Kritikpunkte an Facebook findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Facebook). Tatsächlich passiert jedoch meinem Eindruck nach wie so häufig das Gleiche – breite öffentliche Kritik, Vorstellung und Entwicklung weiterer Messenger-Alternativen, die im Ergebnis keinen konkurrenzfähigen Zulauf bekommen und allgemeine Resignation und Akzeptanz der Quasi-Monopolstellung. Allein in Deutschland gibt es wohl Stand Januar 2014 mehr als 30 Millionen aktive Nutzer.

Ist es das wirklich wert? Wollen wir dabei zuschauen, wie sich bei vernetzenden Diensten nicht das beste Unternehmen durchsetzt, sondern dasjenige, das am cleversten den größten Nutzerpool gesammelt und sich dann knallhart gegen unsere Interessen durchsetzt? Warum soll hier nicht dem besten Dienst der Vorzug vor dem größten gegeben werden? Dass nicht jeder gewillt ist, sich ein anderes soziales Netzwerk als Facebook zu suchen, kann ich noch gut verstehen. Schließlich ist der Umstieg dort ungleich schwieriger und die Alternativen stehen in Funktionalität häufig noch deutlich zurück. Die Installation einer anderen Messenger-App ist dagegen schnell erledigt, zumal seit kurzem im google Play Store die Bezahlung per Paypal möglich ist und so auch kostenpflichtige Apps ohne Kreditkarte bezahlt werden können. Der Monopol-Mechanismus hat bei vielen anderen Diensten bereits tadellos funktioniert, z.B. Google oder mit Einschränkungen auch mitfahrgelegenheit.de.

Ich schaue mir das nicht mehr länger mit an und wechsle zu Threema, dem Messenger, der meiner Ansicht nach derzeit das größte Potenzial hat.

 

Meine 6 Gründe für den Wechsel:

  1. WhatsApp gehört zu Facebook, DEM Datensammler und Datenschutzverhinderer weltweit.
  2. WhatsApp hat deshalb ein unbändiges kommerzielles Interesse an der Nutzung sämtlicher durch den Dienst erlangbarer Informationen, vor allem für die weitere Nutzung mit Facebook.
  3. WhatsApp ist unsicherer als andere Messenger, da keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angeboten wird.
  4. Es gibt gute, günstige Alternativen.
  5. Mein Profilfoto und meine Statusmeldungen möchte ich nicht zur Werbezwecken auf irgendwelchen Leinwänden verbreitet wissen (entsprechende Rechte lässt sich WhatsApp allerdings einräumen).
  6. Ich möchte nicht zulassen, dass sich derartige Dienst-Monopole festigen, die sich für uns Nutzer so offensichlich negativ auswirken wie bei WhatsApp und Facebook.

Wer von den Kontakten in meinem Telefon ab heute zu Threema oder TextSecure wechselt, dem spendiere ich ein Bier, aber nur so lange der Vorrat reicht.

 

That’s all folks.

Energiepolitik nach Zigeuner Art

Nach der mir bereits äußerst sauer aufstoßenden Salami-Taktik des Volkes Liebling zu Guttenberg bleibt die CDU/CSU/FDP-Regierung ihren Prinzipien konsequenterweise jetzt auch bei der Energiepolitik nicht mehr treu – oder doch?

Die Atomkatastophe in Japan, bei der jeden Tag der GAU eintreten könnte, haben nun auch direkte Auswirkungen für die Politik in Deutschland. Mitte März erklärte Frau Merkel vor der versammelten Presse, dass die tragischen Ereignisse in Japan eine Neubewertung der Frage Atomenergie notwendig machten. Die Regierung verhängte daher ein dreimonatiges Moratorium über die 7 ältesten deutschen Atommeiler. Während dieser Zeit (bis zum 15. Juni) solle eine Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Atomkraftwerke stattfinden.

Doch liebe Frau Bundeskanzlerin, was hat sich eigentlich durch die dortige Situation für Deutschland geändert? Weiterlesen

Destruktiv ist soo toollll!

Etwas abseits des Haupt-Schlachtfeldes der gestrigen Räumung der Liebigstraße 14 bekamen auch wir gestern Nacht etwas von der Action mit. Lautstarker Sound of Destruction gemixt mit dem Donnern des kreisenden Polizeihubschraubers. Ein kurzer Spaziergang am Tag danach ergab eine zerlegte Bushaltestelle, eine geplättete Fußgängerinsel sowie einen über die Nacht gut durchgelüfteten Kaufhof am Ostbahnhof. Ein paar Fotos …
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Kinderarbeit auf dem Reiterhof?

Anlässlich einer Reihe von Kommentaren zu Stephies Artikel über den Hof Lyck-Piehl habe ich mich über das Thema Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland informiert. Zunächst einmal die Ausgangssituation: Ich nehme an, dass der dritte Kommentar der Wahrheit entspricht (dazu am Ende eine Bewertung). Davon ausgehend analysiere ich, ob die darin geschilderte Situation gegen das geltende Jugendarbeitsschutzsgesetz verstossen könnte. Dabei handelt es sich um meine persönliche Meinung, keine offizielle juristische Beurteilung!
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Wir sind ja so faule Studenten – tatsächlich?

Grund für meine Meldung ist dieser Artikel von SpiegelOnline:

Erschöpft vom Bummeln

Ich fühl mich veralbert:  „Der mittlere Aufwand fürs Studium liegt bei 26 Wochenstunden – und auch das nur, weil einzelne besonders arbeitsame Geister den Durchschnitt heben.“ Was für Zahlen nimmt diese Studie denn als Grundlage? Hier mal meine Arbeitsstunden im Semester bei drei Mathe-Fächern:

Pro Fach: 8h Anwensenheit in der Uni + 6h Zeit und die Hausaufgaben zu erledigen (das schwankt, aber im Mittel kommt das hin, zur Zeit der Coma is es fast zu wenig)
Das macht: 3*(8+6) =42 Stunden reine Arbeitszeit für die Uni und da ist das lernen und begreifen des Stoffes nicht vollständig enthalten.
Ich arbeite ja noch nebenbei an der Uni, also kommen noch ca. 13 h pro Woche dazu.

Macht also insgesamt 55h!

Aber wir haben ja noch die Vorlesungsfreihe Zeit: Ja, Vorlesungsfrei heißt aber nicht, dass wir nix zu tun hätten. Vor den wichtigen Modulprüfungen lerne ich 2-4 Wochen im Schnitt nochmal 5h pro Tag, jedoch ist das keine Büroarbeit, das ist geistiger Hochleistungssport. Außerdem noch die Scheinprüfungen, die immer am Ende des Semesters anfallen: zusätzliche Arbeitsbelastung von 2-3h pro Tag, z.T. noch in der Vorlesungszeit.

Nun wissen die meisten, dass ich nicht zu den super fleißigen Menschen zähle, die diesen Durchschnitt angeblich so hochziehen. Ich müsste noch viel mehr machen, desswegen bin ich ja auch nur ein „Durchschnitts-Mathematik-Student“.

Zweiter sehr ärgerlicher Punkt: die Berechnung, dass Studenten ja auch nur eine 40h Woche zugemutet wird.
Der Spiegel nimmt dazu die sogenannten Leistungspunkte als Grundlage. Ein LP entspricht 30 Arbeitsstunden. Ein Student soll im Semester 30 LP machen, daher entstehen die 1800 h im Jahr. Wie der Spiegel auf die 7 Woche Urlaub kommt ist mir schleierhaft. Damit kommt man sicherlich im Durchschnitt auf eine 40h-Woche, doch was hilft mir der Durschschnitt von „angedachten“ Arbeitsstunden? Die Realität sieht in meinem Studium zumindest ganz anders aus. Diese theoretischen Arbeitsstunden entziehen sich jeder Grundlage, ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie diese Berechungen zustande kommen.

Dann noch zur Arbeit neben dem Studium: Im Durschschnitt Arbeiten Studenten wohl 6,4 h pro Woche und auch hier wird der Durchschnitt nur von fleißigen Leuten hochgezogen. Super, eine Statistik über die Arbeitsstunden, die die Studenten einbezieht, die nicht arbeiten, weil sie Bafög bekommen oder von den Eltern finanziert werden. Wieviele Studenten sind denn das? In meinem Umkreis geht etwas die Hälfte der Leute noch nebenbei arbeiten, die müssen dann laut Statistik ja im Durchschnitt ja 13h arbeiten (wie meine Wenigkeit). Naja, sone 53h-Woche ist ja zumutbar, oder nicht?

Ich bin ausgesprochen enttäuscht von dieser Faktenverdreherei und werde jetzt weiter für meine Modulprüfung in Analysis lernen, schönen Dank auch!

liberale Wirtschaftspolitik

Ich glaube zu dieser Überschrift wird eine ganze Artikelserie entstehen, Stoff genug wird ja geliefert *hust*.

Anlass meiner spontanen Begeisterung war der neueste Beitrag zu mehr Innovation und Wachstum in Deutschland: Individuelle Hebesätze auf die Umsatzsteuer auf Ebene der Kommunen. Da ich Wirtschaft und Steuerrecht nur aus einer Amateursicht beurteilen kann, dazu erst am Schluss eine kurze unqualifizierte Meinung. Ich kann nämlich basierend auf meinem Diplom der Informatik und den praktischen Erfahrungen der letzten Jahre sehr gut begründen, warum diese Maßnahme Innovation und Wachstum in Deutschland befördern werden! Wer sich bereits einmal mit dem deutschen Umsatzsteuerrecht und seinen Auswirkungen auf alle mit Rechnungswesen befassten IT-Anwendungen beschäftigt hat, der „freut“ sich über jede weitere Verkomplizierung. Und ein individueller Hebesatz auf die Umsatzsteuer, die praktisch jedes Unternehmen und jede Organisation mit Rechnungswesen betrifft, ist in meinen Augen ein ziemlich aussichtsreicher Kandidat für einen Platz in den aktuellen Top 5 von Worst Case-Szenarien bezüglich wirtschaftspolitischer Reformen.

Ich höre schon die Frage: Was hat das also mit Innovation und Wachstum zu tun? Naja, Informatiker, IT-Berater sowie alle mit Steuerrecht befassten Spezialisten können sich nur die Hände reiben – Arbeit ohne Ende. Und Wirtschaftsprüfer und Finanzämter freuen sich sicherlich auch über ein neues Kampffeld – so wird’s wenigstens nicht langweilig. Hinzu kommt ja dann noch das monatliche Update aller Systeme – schließlich werden es die Kommunen ja wohl kaum hinbekommen, alle immer nur zum Jahreswechsel ihre Hebesätze anzupassen, oder?

Selbstverständlich ließe sich mit dafür einzusetzenden Geld auch etwas anderes anfangen, Investitionen in Forschung, Optimierung, Energieeffizienz oder sowas unwichtiges wie das Einführen neuer Produkte, erschließen neuer Märkte .. die Botschaft kommt rüber denke ich. Und selbstverständlich gibt es sicherlich den einen oder anderen Kollegen, der es ähnlich sieht wie ich: zusätzlicher Entwicklungsaufwand aufgrund komplexerer Steuerregeln ist einer der ätzendsten und frustrierendsten Zeitfresser. Aber hey, Auftrag ist Auftrag und einem verpflichtenden Weiterentwicklungsaufwand für alle schaut der Informatiker nicht zu tief ins sprichwörtliche Maul.

Achja, meine ganz persönliche Meinung aus wirtschaftlicher und steuerrechtlicher Sicht? Es passt einfach perfekt ins Konzept: einfacher und gerechter. Einfacher muss man dabei nur etwas erweitern: „Leistung muss sich einfach wieder lohnen!“. Dann passt es wunderbar ins Konzept der FDP: Denn es werden auch damit wieder die Starken gestärkt. Kommunen mit Einkaufszentren reicht ein niedriger Hebesatz, damit steigt die Attrkativität dieser Standorte noch weiter, da die Kunden (oder wahlweise die Unternehmen) ja dann dort auch weniger zahlen müssen. Und wie genau sollen eigentlich dann in Zukunft bundesweit einheitliche Prospekte bspw. von real umgesetzt werden? Jeder Standort mit ’nem anderen Preis? Obwohl, auch hier ist die Lösung ja naheliegend – das muss dann alles auch digitalisiert werden. Als App fürs Smartphone oder als elektronische Tinte, nach Eingabe des bevorzugten Einkaufszentrums werden die dortigen Preise angezeigt … das klingt ja nu schon wieder dermaßen spannend, dass ich kurz versucht bin, meine vorherigen bissigen Kommentare verschwinden zu lassen – App-Programmierung ist doch sowas von cooool …. hey, Guido, wohin kann ich nochmal spenden?