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Boykott bringt Ubisoft zur Einsicht

Das andauernde Boykott von Ubisofts Neuerscheinung Anno 1404 durch PC-Spieler hat den Publisher augenscheinlich zu einem Einlenken bewegt: Eine Online-Aktivierung ist ab Patch 1.1 nicht mehr notwendig.

Ubisoft hatte den nunmehr vierten Teil der beliebten Anno-Reihe mit dem Kopierschutz TAGES versehen, um einer unerlaubten Vervielfältigung und Verbreitung vorzubeugen. Um das Spiel nach der Installation starten zu können, verlangt dieser zunächst eine Online-Aktivierung. Dabei muss der persönliche Installations-Keycode, der auf dem Handbuch abgedruckt ist, eingegeben werden. Das Programm berechnet dann über einen Hash-Wert der PC-Konfiguration einen Aktivierungscode, überträgt diesen an den Aktivierungsserver von Ubisoft und aktiviert bei erfolgreicher Verifizierung das Spiel.

Kritik erntete das Unternehmen von der Spielergemeinschaft und von Spielezeitschriften vor allem für die Beschränkung auf 3 Aktivierungs-Tokens. Grundsätzlich durfte der Käufer von Anno 1404 das Spiel zwar 3 Mal installieren (sogar auf verschiedenen Rechnern gleichzeitig), allerdings machte bereits der Austausch wichtiger Hardware-Komponenten eine erneute Aktivierung unter Verlust eines Tokens notwendig. Auch wenn die Online-Aktivierung immerhin zur Folge hatte, dass das Spiel seinen Dienst ohne DVD verrichtete, so erhält der Käufer doch nur eine äußerst eingeschränkte Nutzungslizenz. Wer seine Hardware häufiger wechselt, hat seine Aktivierungs-Tokens schnell verbraucht und kann das Spiel, das er womöglich teuer gekauft hat im Prinzip wegschmeißen. Ebenso wird dadurch ein Weiterverkauf des Spiels verhindert, da die Tokens verbraucht sind und eine erneute Installation damit nicht möglich ist. Den Spielern bei Verbrauch der Codes weitere gegebenenfalls über den Support zur Verfügung zu stellen, klingt mehr als unehrlich und macht den Käufer letztlich vom guten Willen des Herstellers abhängig, der im Einzelfall entscheiden will, ob er weitere Aktivierungs-Tokens herausgibt.

Später ließ Ubisoft im Deutschen Supportforum verlauten, dass die zuerst begrenzte Anzahl von Aktivierungen „nach einer bestimmten Zeit automatisch zurückgesetzt wird (1 zusätzliche Aktivierung / Monat), so dass der Großteil der Spieler überhaupt kein Problem damit haben sollte“. Diese Äußerung klingt mehr als wage.

Die kleinen Vorteile und Ausnahmeregelungen konnten dem Unmut der Spieler jedoch schon längst nicht mehr Einhalt gebieten. Im Netz machten sie ihrem Ärger Luft und beglückten das spielerisch hervorragend bewertete Anno 1404 unter anderem auf Amazon mit fast durchweg negativen Bewertungen (teilweise bereits vor Erscheinen), was sich in den Verkaufszahlen deutlich bemerkbar gemacht haben dürfte. Wie viele andere sah auch ich aufgrund der brutal eingeschränkten Nutzungsmöglichkeit vom Kauf des Spiels ab. Eine solche Gängelung der ehrlichen Käufer wollen sich viele Spieler zu Recht nicht gefallen lassen, während die Nutzer illegal beschaffter Kopien dagegen womöglich weder DVD noch Aktivierung benötigten.

Doch nun hat das breite negative Echo der Spieler Ubisoft augenscheinlich zum Umdenken gebracht. Fast etwas kleinlaut und ohne größere News-Meldung gibt der Publisher in seinem DRM-FAQ sowie in oben genanntem Foren-Beitrag bekannt, dass eine Online-Aktivierung nicht mehr notwendig ist, wenn man sofort den Patch 1.1 installiert, ohne zuvor das Spiel zu starten. Eine Begründung oder sonst einige begleitende Worte? Fehlanzeige. Nun gut – werten wir die Meldung mal in etwa so, dass sie im Verlauf des Supports auf diverse Schwierigkeiten gestoßen sind (etwa BIOS-Update & Verkleinerung der Systempartition, die auch eine erneute Aktivierung notwendig machten) und durch die schlechten Bewertungen eine nachhaltige Beeinträchtigung der Verkaufszahlen fürchten, wofür sie sich bei allen Spielern entschuldigen möchten. ^^

Meiner Meinung nach ist das der einzig richtige Schritt. Liebe Publisher, gebt den Spielern kein Produkt in die Hand, das er wegen nahezu zufälliger Umstände nicht mehr benutzen kann und macht die Weiternutzung dann von eurem Gutdünken abhängig! Bekämpfung illegaler Kopien ja, aber bitte verhältnismäßig. Einen absoluten Schutz gibt es ohnehin nicht, jeder Mechanismus kann geknackt werden.

Ich jedenfalls nehme die versteckte Entschuldigung an, sodass einem Kauf des Spiels nun nichts mehr entgegensteht. Hoffentlich nehmen sich andere Hersteller daran ein Beispiel, damit etwa ein Command & Conquer Alarmstufe Rot 3 auch den Weg in meine Spieleschrank finden kann.