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Wir sind ja so faule Studenten – tatsächlich?

Grund für meine Meldung ist dieser Artikel von SpiegelOnline:

Erschöpft vom Bummeln

Ich fühl mich veralbert:  „Der mittlere Aufwand fürs Studium liegt bei 26 Wochenstunden – und auch das nur, weil einzelne besonders arbeitsame Geister den Durchschnitt heben.“ Was für Zahlen nimmt diese Studie denn als Grundlage? Hier mal meine Arbeitsstunden im Semester bei drei Mathe-Fächern:

Pro Fach: 8h Anwensenheit in der Uni + 6h Zeit und die Hausaufgaben zu erledigen (das schwankt, aber im Mittel kommt das hin, zur Zeit der Coma is es fast zu wenig)
Das macht: 3*(8+6) =42 Stunden reine Arbeitszeit für die Uni und da ist das lernen und begreifen des Stoffes nicht vollständig enthalten.
Ich arbeite ja noch nebenbei an der Uni, also kommen noch ca. 13 h pro Woche dazu.

Macht also insgesamt 55h!

Aber wir haben ja noch die Vorlesungsfreihe Zeit: Ja, Vorlesungsfrei heißt aber nicht, dass wir nix zu tun hätten. Vor den wichtigen Modulprüfungen lerne ich 2-4 Wochen im Schnitt nochmal 5h pro Tag, jedoch ist das keine Büroarbeit, das ist geistiger Hochleistungssport. Außerdem noch die Scheinprüfungen, die immer am Ende des Semesters anfallen: zusätzliche Arbeitsbelastung von 2-3h pro Tag, z.T. noch in der Vorlesungszeit.

Nun wissen die meisten, dass ich nicht zu den super fleißigen Menschen zähle, die diesen Durchschnitt angeblich so hochziehen. Ich müsste noch viel mehr machen, desswegen bin ich ja auch nur ein „Durchschnitts-Mathematik-Student“.

Zweiter sehr ärgerlicher Punkt: die Berechnung, dass Studenten ja auch nur eine 40h Woche zugemutet wird.
Der Spiegel nimmt dazu die sogenannten Leistungspunkte als Grundlage. Ein LP entspricht 30 Arbeitsstunden. Ein Student soll im Semester 30 LP machen, daher entstehen die 1800 h im Jahr. Wie der Spiegel auf die 7 Woche Urlaub kommt ist mir schleierhaft. Damit kommt man sicherlich im Durchschnitt auf eine 40h-Woche, doch was hilft mir der Durschschnitt von „angedachten“ Arbeitsstunden? Die Realität sieht in meinem Studium zumindest ganz anders aus. Diese theoretischen Arbeitsstunden entziehen sich jeder Grundlage, ich kann absolut nicht nachvollziehen, wie diese Berechungen zustande kommen.

Dann noch zur Arbeit neben dem Studium: Im Durschschnitt Arbeiten Studenten wohl 6,4 h pro Woche und auch hier wird der Durchschnitt nur von fleißigen Leuten hochgezogen. Super, eine Statistik über die Arbeitsstunden, die die Studenten einbezieht, die nicht arbeiten, weil sie Bafög bekommen oder von den Eltern finanziert werden. Wieviele Studenten sind denn das? In meinem Umkreis geht etwas die Hälfte der Leute noch nebenbei arbeiten, die müssen dann laut Statistik ja im Durchschnitt ja 13h arbeiten (wie meine Wenigkeit). Naja, sone 53h-Woche ist ja zumutbar, oder nicht?

Ich bin ausgesprochen enttäuscht von dieser Faktenverdreherei und werde jetzt weiter für meine Modulprüfung in Analysis lernen, schönen Dank auch!